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2Apr/110

Mate-Jargon: Begriffe und Bezeichnungen in der Matekultur

Aufgrund der langen Tradition des Mate in Südamerika haben sich für viele Bestandteile der Matekultur teilweise ganz eigene Bezeichnungen entwickelt, die sonst in der spanischen Sprache keine oder eine andere Bedeutung haben. Da die Matekultur hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, ist es auch nicht verwunderlich dass es für manche dieser Bezeichnungen keine wirklich passenden deutschen Übersetzungen gibt. Ein Umschreiben dieser Wörter ist oft mühsam, deswegen finde ich es manchmal praktischer die originale Bezeichnung zu verwenden. Außerdem kommt man als Matetrinker oder -interessierter in Deutschland ohnehin nicht um gewisse Begriffe umhin, da die allermeisten Produkte nach dem Import in den Originalverpackungen verkauft werden.

Die meisten dieser Bezeichnungen habe ich während meines Aufenthalts in der Region des Rio de la Plata kennengelernt. Soweit ich es beurteilen kann, ist der Jargon in ganz Argentinien und Uruguay derselbe, oder zumindest dort vollkommen verständlich. Allerdings war ich bisher aber nur wenige Stunden in Paraguay und Brasilien, deshalb ist mir die dortige Terminologie vielleicht nicht geläufig. Vor allem in Brasilien gibt es wegen der portugiesischen Sprache natürlich eine ganze Menge anderer Bezeichnungen. Einzelne, wichtige Begrifflichkeiten aus diesen Regionen habe ich der Vollständigkeit halber aber trotzdem aufgenommen.

Ich werde versuchen diese Liste laufend auf dem aktuellen Stand zu halten, sobald ich für neue Artikel zusätzliche Begriffe verwenden muss.

amargo: bitter. Als 'mate amargo' bezeichnet man den ohne Zucker, Kräuter oder anderen Zusätzen zubereiteten Mate. Nach meinen Erfahrungen die mit Abstand am häufigsten konsumierte Form.

bombilla: Der typische Strohhalm (aber fast immer aus Metall, selten aus Bambus) mit Filter am unteren Ende, wodurch verhindert werden soll, dass Yerba in die bombilla kommt.

burro: hierbabuena de burro. Ein Kraut das benutzt wird um den Mate zu verfeinern.  Ich kenne es vor allem aus der Provinz Córdoba.  Ich denke es handelt sich dabei um Mentha suaveolens, der rundblättrigen Minze.

calabaza: Kalebasse. bezeichnet die traditionellen Mategefäße aus ausgehöhlten Kürbissen. Im Deutschen hat sich "Kalebasse" scheinbar zum Oberbegriff für Mategefäße allgemein entwickelt. Am Rio de la Plata wird der Begriff lediglich verwendet, wenn diese Herkunft des Mates speziell betont werden möchte. Die calabazas sind in Argentinien natürlich wohlbekannt, aber nach meinen Erfahrungen bei weitem nicht so sehr verbreitet wie man bei durchforsten deutscher Onlineshops vermuten mag.

cebar, cebador: zubereiten/servieren. 'cebar' wird nur im Kontext der Matekultur verwendet. Es bezeichnet den kompletten Vorgang des Zubereitens und Servierens. Dementsprechend ist der cebador die Person, die diese Aufgaben übernimmt.

curar: Bezeichnet die Schritte die man mit einem neugekauften Mate vor dem ersten Einsatz durchführt. Das englische 'to cure' hat unter anderem dieselbe Bedeutung, im Deutschen trifft es vielleicht 'vorbehandeln' am besten? Bitte melden falls jemand ne bessere Übersetzung parat hat.

dulce: süß. Die Zubereitung des Mate mit Zucker oder seltener auch künstlichen Süßstoffen oder Stevia
lavado: ausgewaschen. Nach einigen Aufgüssen ist die yerba "ausgewaschen" und wird gewechselt. Neben dem Geschmack erkennt man das an den oben schwimmenden Stängelstückchen und dem ausbleibenden Schaum aufgrund der fehlenden Gerbstoffe.
mate: 'mate' wird nicht nur für das Getränk als solches verwendet, sondern bezeichnet auch das Trinkgefäß in dem der Mate zubereitet wird. Die Bezeichnungen und Erklärungen der vielen verschiedenen Mate werden in einem gesonderten Artikel zu finden sein.

mate cocido: "gekochter" Mate. Aus Teebeuteln aufgebrühter Mate. Prinzipiell würde man damit auch in der Kanne in größeren Mengen aufgebrühten Matetee bezeichnen, ich habe in Argentinien aber niemanden kennengelernt der das machen würde. Die Teebeutel kommen dagegen  durchaus gelegentlich zum Einsatz.

matear, mateada: mate trinken. Aber nicht lediglich das trinken selber, sondern auch das Drumherum. Zum Beispiel gehört für viele Leute eine kleine Süßigkeit (schon Kekse reichen oft) einfach dazu. Eine Mateada ist das dazugehörige Substantiv, am ehesten vermutlich mit 'Mate-Sitzung' zu übersetzen.

sin/con palo: mit/ohne Stängeln. Unterteilt die klassische Yerba in zwei große Gruppen: die mit Pflanzenteile aus dem Stängel und die ohne. Nach meiner Erfahrung ist in Argentinien die Variante mit Stängeln üblich, in Uruguay, Brasilien und Paraguay eher die Yerba aus reinem Blattmaterial.

pava: Der Kessel mit dem das Wasser traditionell auf Temperatur gebracht und gehalten wird. Wird heutzutage wegen Wasserkochern und Thermoskannen immer unwichtiger.

peperina: Mentha x piperita, unsere Pfefferminze. Zum verfeinern des Mate. Auch eher in der Region um Córdoba in Verwendung, aber gängiger als 'burro'.

polvo: Pulver. Das Pulver das beim Mahlen der getrockneten Pflanzenteile anfällt. Es wirkt sich relativ stark auf den Geschmack der Yerba aus und wird von den Herstellern in unterschiedlichem Umfang entfernt. Es gibt von manchen Herstellern auch Yerba mit erniedrigter "Pulvermenge" als ihre Standardyerba.

tapar(se): verstopfen. Abhängig von Bombilla und ganz besonders von der Yerba kann das verstopfen der Bombilla zum Problem werden. Wenn man in Argentinien eine Bombilla kauft, trifft man deshalb fast zwangsläufig auf den Satz: 'Nunca se tapa' - 'verstopft nie'. Für manche Konstruktionsweisen ist das meiner Erfahrung nach auch wirklich der Fall. Es gibt aber generell Tricks/Vorgehensweisen mit denen normalerweise jede Bombilla nicht verstopft.

termo: Thermoskanne. Thermoskannen sind in Argentinien wirklich überall erhältlich und werden quasi nur für das Wasser zum Mate trinken benutzt. Deshalb haben sie auch oft eine Verschlusskappe mit einem feinen Ausguss, genannt 'tapa cebador'.

yerba: wörtlich Kraut. Ist nichts anderes als die Blätter (und ggf. Stängel) der Pflanze und entspricht dem, was in Deutschland umgangssprachlich als Mate oder Matetee bezeichnet wird. Im spanischen wird eben noch zwischen dem Ausgangsmaterial, der "yerba" und dem Produkt, dem "mate" unterschieden.

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