mate-blog.de Yerba Mate in Öffentlichkeit und Wissenschaft

25Nov/122

Crowdfunding Projekt zur Realisierung einer PAK Analyse verschiedener Mate Produktionen

Schon wieder eine tolle Idee von Krithika und Patricio von der Meta Mate Bar: Das Mier Projekt läuft ja mittlerweile schon auf vollen Touren (Version 9.0 wurde im August in Berlin gebraut, andere Mier Versionen kommen aus Belgien und Brasilien). Jetzt wollen die beiden mit einem crowdfunding Projekt herausfinden, woher die in diversen Studien gefundenen, recht hohen Gehalte von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAKs) im Mate kommen.

 

Das Projekt wurde auf der Crowdfunding Seite Inkubato eingereicht: Meta Mate Cancer Research Project und beeinhaltet auch ein nettes Video von Krithika und Patricio zu ihrem Vorhaben.

Ich selbst bin von der Idee begeistert, weil es Hobby (Yerba Mate) mit einem Teilbereich meiner Promotion (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) wunderbar verbindet. Klar, dass ich das Vorhaben gerne unterstütze.
Weil ich aber auch weiß, wieviel solche Analysen kosten, habe ich Bedenken, dass sich mit den angepeilten 600€ viel realisieren lässt. Trotzdem ist es ein super Anfang, und die Motivation hinter dem Vorhaben, finde ich aus wissenschaftlicher Sicht absolut in Ordnung:

Aus einigen Studien weiß man, dass das Yerba Mate Endprodukt relativ hohe Mengen an PAKs enthält[1]. Von diesen PAKs weiß man seit langer Zeit schon, dass sie für den Menschen schädlich sein können. Manche davon werden im Körper in gewissem Maße sogar zu kanzerogenen ("krebserregenden") Stoffen umgebaut.

Das heißt nun noch lange nicht, dass man das Mate trinken mit einem erhöhten Krebsrisiko gleichsetzen kann. Denn in der Yerba Mate sind, wie in so ziemlich jedem pflanzlichen Lebensmittel, wiederum Stoffe vorhanden, die schädliche Wirkungen z.B. von PAKs unterdrücken können. Außerdem sind die PAKs schlecht wasserlöslich und es stellt sich die Frage, wieviel davon überhaupt beim aufgießen mit Wasser herausgelöst werden? Diese und weitere Fragen machen das ganze also viel komplexer als man zunächst annimmt, wenn man ließt, dass da irgendwelche schädlichen Stoffe in Mate drin sind.

Nun gibt es aber auch manche epidemiologische Studien, die zum Ergebnis kommen, dass ein hoher Matekonsum mit erhöhtem Auftreten von Speiseröhrenkrebs korreliert. Und hierfür sind die PAKs dann die Hauptverdächtigen.

Es gibt allerdings viele Kritikpunkte an diesen Studien, zum Beispiel scheint die Erkrankungshäufigkeit auch mit sozialer Herkunft oder Zubereitungsgewohnheiten zu korrelieren.

Ich will diese Thematik schon seit längerer Zeit hier mal in verständlichster Form zusammenfassen. Darüber kann man nämlich beliebig in Detail gehen. Bin ich noch nicht zu gekommen - habs mir aber jetzt stark vorgenommen :)

 

OK, nun zurück zum crowdfunding projekt:

Man weiß noch sehr wenig darüber, wo die PAKs die man in Yerba Mate findet, denn herkommen. Am wahrscheinlichsten dürfte sein, dass sie beim "zapecado" entstehen[2] - eine Erhitzung der Blätter damit die Enzyme inaktiviert werden - wo traditionell mit offenem Feuer gearbeitet wird. Es gibt aber auch alternative Prozesse und prinzipiell ist es auch denkbar, dass die PAKs über luftgetragene Partikeln von Motorabgasen auf den Blättern landen. Das kennt man zum Beispiel von Gemüse, das in der Nähe von Straßenverkehr angebaut wird[3].

Das Projekt will nun Yerba Mate, die auf verschiedene Arten prozessiert wurde, auf ihren PAK Gehalt untersuchen, um herauszufinden ob, und wenn ja, welche Herstellungsprozesse dafür verantwortlich sind. Ich halte das für einen sehr sinnvollen Ansatz.

Es gibt es bereits Studien, in denen untersucht wurde, inwiefern sich einzelne Prozesse in der Produktion auf den PAK Gehalt des Endproduktes auswirken[4,5,6]. Die Besonderheit an den hier vorgeschlagenen Versuchen ist, dass nur Rohmaterial aus der selben Ernte verwendet wird und dann in handwerklicher Kleinproduktion unterschiedlich prozessiert wird.

Daher ist es mir schleierhaft, warum diese Thematik bisher nicht öfter von Forschungsgruppen aufgegriffen wurde: Es ist eine relativ leichte Fragestellung, die man mit Analysengeräten bearbeiten kann, die es in so ziemlich jedem Analytiklabor geben dürfte während es einen klaren Bedarf für mehr Aufklärung auf diesem Gebiet gibt.

Ich tippe, dass in Europa oder Nordamerika Yerba Mate noch nicht bedeutend genug ist, dass sich Forschung lohnt. In den Mate Ländern Südamerikas dagegen könnte ich mir vorstellen, dass der Stolz auf Mate zu groß ist, als dass man Studien fördern möchte, die sich negative Eigenschaften zu Tage bringen. Trotz aller Liebe zum Land, die argentinische Politik fällt nicht gerade durch Freidenken auf, und von dort, wo man am meisten Mate trinkt ist mir keine einzige wissenschaftliche Publikation bekannt, die sich mit möglichen negativen Auswirkungen des Matekonsums beschäftigt.

 

Im übrigen: Genausowenig wie eine schädliche Wirkung dem Mate bisher nicht nachgewiesen wurde, sind auch noch keine positiven Eigenschaften bekannt, die man nicht bei den allermeisten aufgebrühten Pflanzenblättern erwarten würde. Mate Tee wegen PAKs nicht zu trinken oder wegen diverser positiver Eigenschaften verstärkt zu trinken ist meiner Meinung nach beides unsinnig. Als alternativen Coffeinlieferant OK, daran gibts nichts auszusetzen. Aber die hauptsache bleibt: trinkt Mate weil er euch schmeckt und nicht wegen irgendwelchen Wirkungungen die er haben oder nicht haben soll!
Ich hab mich schon länger entschieden und trinke zufrieden weiter - jetzt gerade zum Beispiel die Marke Romance aus San José, Misiones. Ziemlich kräftig)

 
Nachtrag: Ich habe eine E-Mail von Krithika erhalten, in der sie mir erläutert, inwiefern sich die geplanten Analysen von den bereits veröffentlichten Ergebnissen unterscheiden. Ich habe die Unterschiede in den Text aufgenommen.

Literatur:

[1] Kamangar F, Schantz MM, Abnet CC, Fagundes RB, Dawsey SM. High levels of carcinogenic polycyclic aromatic hydrocarbons in mate drinks. Cancer epidemiology, biomarkers & prevention : a publication of the American Association for Cancer Research, cosponsored by the American Society of Preventive Oncology. 2008;17(5):1262–8.

[2] Bracesco N, Sanchez AG, Contreras V, Menini T, Gugliucci A. Recent advances on Ilex paraguariensis research: minireview. Journal of ethnopharmacology. 2011;136(3):378–84.

[3] Rojo Camargo MC, Toledo MCF. Polycyclic aromatic hydrocarbons in Brazilian vegetables and fruits. Food Control. 2003;14(1):49–53.

[4] Heck CI, Schmalko M, Gonzalez de Mejia E. Effect of growing and drying conditions on the phenolic composition of mate teas (Ilex paraguariensis). Journal of agricultural and food chemistry. 2008;56(18):8394–403.

[5] Vieira MA, Maraschin M, Rovaris AA, et al. Occurrence of polycyclic aromatic hydrocarbons throughout the processing stages of erva-mate (Ilex paraguariensis). Food additives & contaminants. Part A, Chemistry, analysis, control, exposure & risk assessment. 2010;27(6):776–82.

[6] Golozar A, Fagundes RB, Etemadi A, et al. Significant variation in the concentration of carcinogenic polycyclic aromatic hydrocarbons in yerba maté samples by brand, batch and processing method. Environmental science & technology. 2012.

Kommentare (2) Trackbacks (1)
  1. Hier wurde mal der Mate einer ganz neuen Analyse unterzogen. Dass Mate mit Krebs in Verbindung gebracht wird, das ist für den meisten Matetrinker wahrscheinlich neu. Man darf erst gar nicht daran denken, welche Dramen sich in den Rio de la Plata Ländern Uruguay und Argentinien abspielen werden, wenn das Kulturgut plötzlich Gesundheitsrisiken mit sich bringen sollte. Hinzu kommen noch die Paraguayer, die den Mate ja kalt trinken. Plötzlich wird man als Besucher von Buenos Aires und Montevideo keine mit Teekannen und urigen Trinkbehältern durch die Straßen wandelnden Einheimischen mehr sehen. Zum Glück ist die schädliche Wirkung dieses besonderen Inhaltsstoffes noch nicht bewiesen.


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