mate-blog.de Yerba Mate in Öffentlichkeit und Wissenschaft

20Mrz/110

Das Yerba Mate Jahr 2010 in Zahlen

Für den ersten Eintrag dieses Blogs habe ich mich dazu entschieden, grundlegende Zahlen rund um Yerba Mate aufzuarbeiten und eventuelle Veränderungen in Produktion und Konsumverhalten in der Welt und speziell in Argentinien und Deutschland zu zeigen.
Hauptgrund für mich, dieses Blog zu starten war, dass ich den Eindruck hatte, dass Yerba Mate in Deutschland sich immer größerer Beliebtheit erfreut, es gleichzeitig aber enorm an verlässlichen Informationen mangelt.

Argentinien ist der wichtigste Produzent von Yerba Mate, 50-55% der Weltproduktion findet hier statt. Die restliche Yerba Mate wird in Brasilien (~40%) und in kleinerem Ausmaß in Paraguay (~7%) produziert [Dirección Nacional de Alimentos]. Nachdem die letzten drei Jahre die Ernteerträge aufgrund Trockenheit und Problemen mit Krankheitsbefall gering ausfielen, stieg 2010 Produktion deutlich an. 17 500 Plantagen, 239 Trockenanlagen und 149 Mühlen stellten letztlich 250 000 Tonnen handelsfertigem Yerba Mate her, was den höchsten Wert seit 2005 darstellt [Cronista, INYM]. Siehe dazu auch Abbildung 1.

Produzierte Yerba in Argentinien nach Jahren

Abbildung 1: Produzierte Yerba in Argentinien nach Jahren.

Die Preise, die die argentinischen Plantagenbetreiber für ihr geerntetes Rohmaterial erhalten, werden jedes Jahr zum April und Oktober vom 'Instituto Nacional de Yerba Mate' (INYM) neu festgelegt. Sie wurden im April 2010 auf 670 argentinische Pesos (ARS) und im Oktober auf 760 ARS pro Tonne Trockengewicht erhöht (Etwa 120€ bzw. 140€). Gegenüber dem Preis im Oktober 2009 entspricht das einer Verteuerung um rund 20%, die natürlich an die Konsumenten weitergegeben wird. Für die Argentinier sind Preiserhöhungen dieses Ausmaßes aber leider keine Besonderheit und für April 2011 wird von den Produzenten in den Provinzen Misiones und Corrientes sogar versucht eine Erhöhung auf 1,20 ARS pro Kilo getrocknetem Pflanzenmaterial durchzusetzen. Das Kilo prozessierter Yerba mate canchada, das von den Mühlenbetreibern gekauft, abgepackt und in den Handel gebracht wird, kostete Ende 2010 2,85 ARS (rund 0,50 €) [INYM]

Von den knapp über 250 000 Tonnen produzierter Yerba Mate gingen 2010 35 163 Tonnen (14%) in den Export. Das entspricht einer Abnahme um 10% gegenüber 2009 [SENASA]. Die genauen Zahlen aus argentinischer Sicht sind leider noch nicht veröffentlicht, werden aber in den nächsten Tagen auf den Webseiten des Landwirtschaftsministeriums veröffentlicht. Hauptimporteur ist traditionell Syrien, wo die Yerba Mate durch heimkehrende Emigranten, die um 1850 nach Südamerika auswanderten populär wurde [Cámara de Comercio Argentino Árabe].
Nach Deutschland exportierte Argentinien 2010 184,2 Tonnen Yerba Mate. Ein Wert, der sich kaum von dem des Vorjahres unterscheidet. Die Gesamtmenge des von Deutschland importierten Mate-Tees, hat nach einem schwächeren Jahr 2009 um rund 10% auf 758,4 Tonnen zugenommen. Bei dieser Zahl gilt es aber zu Beachten, dass mehr als die Hälfte der importierten Yerba Deutschland wieder verlässt. Das liegt daran, dass der Hamburger Hafen, Europas Hauptumschlagsplatz für Tee, seit geraumer Zeit auch signifikant am Handel mit Yerba Mate beteiligt ist.
Von den 758 importierten Tonnen verblieben demnach 340 Tonnen für den Verkauf und Weiterverarbeitung in Deutschland. Das sind ganze 4,25 g pro Kopf. Ein verschwindend geringer Verbrauch im Vergleich zu den 5,4 kg die ein Argentinier in 2010 durchschnittlich verbrauchte.
Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Zahl in den nächsten Jahren erhöhen werden! ;)

Auffallend ist ebenfalls, dass etwa zwei Drittel des in Deutschland ankommenden Mate-Tees nicht aus Argentinien sondern aus Brasilien stammt. Ich vermute, der brasilianische Mate wird überwiegend in Teehandlungen und Apotheken gehandelt oder wird als ungemahlene Yerba canchada weiterverarbeitet oder -gehandelt, denn die im Internet und lateinamerikanischen Spezialitätengeschäften verkaufte Yerba Mate wird meiner Meinung nach klar durch argentinische Produkte dominiert.
Das dritte produzierende Land, Paraguay exportierte 61,7 Tonnen nach Deutschland.
Diese Datenflut auf Basis des statistischen Bundesamts habe ich in Abbildung 2 anschaulicher dargestellt [Statistisches Bundesamt].

Von Deutschland importierte Yerba nach Jahren

Abbildung 2: Von Deutschland importierte Yerba nach Jahren.

Insgesamt hätte ich erwartet, dass der Matekonsum bei uns deutlich stärker gestiegen wäre. Vermutlich liegt es am Getränk "Club Mate" (das übrigens gerade mal den Extrakt von etwa einem Teebeutel voll Yerba Mate pro Flasche enthält), dass Mate in den vergangenen Jahren stärker im Gespräch war, scheinbar ohne dass es zu einem deutlicheren Anstieg im Matekonsum insgesamt kam. Und auch wenn die nackten Zahlen dagegen sprechen, bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass Yerba Mate bei uns immer wichtiger werden wird. Vielleicht hinken wir den USA in den Trends einfach mal wieder das ein oder andere Jährchen hinterher. Dort gibt es bereits mindestens eine Mate-Bar, die unter anderem traditionell zubereiteten Mate serviert. Sie wird von Guayaki geleitet, einer amerikanischen Firma, die sich durch enormen Werbeeinsatz in den sozialen Netzwerken und einer großen Auswahl an Yerba und Mateprodukten (in teils abstrusen Geschmackskombinationen) scheinbar erfolgreich im dort aufkommenden Markt platzieren.

Quellen:
Dirección Nacional de Alimentos Argentina
El Cronista, Buenos Aires, "Pese a Moreno, yerbateros piden suba de precios de 50%", 28.2.2011
INYM, Instituto Nacional de la Yerba Mate
SENASA: Commercio exterior. Informe comperativo de las principales variables en la certificación sanitaria de productos de origen animal y vegetal.
Pablo Fodaro, Cámara de Comercio Argentino Árabe
Destatis. Statistisches Bundesamt. Aus- und Einfuhr (Außenhandel): Deutschland, Jahre, WA09030000 Mate.

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